HELPING HANDS

Ein Medienkonzept
für helfende Hände
zur Interaktion mit
gehörlosen Menschen

Gehörlose Menschen in unserer Gesellschaft

In der Bundesrepublik Deutschland lebten laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2018 rund 300.000 Menschen, welche aufgrund von Schwerhörigkeit oder Taubheit dauerhaft geschädigt sind. Schätzungsweise 80.000 Menschen sind gehörlos und nach Angabe des Deutschen Schwerhörigenbundes sind etwa 140.000 Menschen auf Dolmetscher angewiesen.

Treten Gehörlose mit Hörenden in Kontakt, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation. Diese erfolgt durch Gebärdensprache mittels Dolmetscher, schriftlich oder durch Sprechen und Lippenlesen. In Situationen, in denen Dolmetscher nicht zur Verfügung stehen, müssen hörbehinderte Menschen größtenteils schriftlich kommunizieren oder das Gesagte vom Mund ablesen. Dabei sind etwa nur 30 % des Gesprächsinhaltes wirklich über das Mundbild erfassbar, die restlichen Informationen müssen aus dem Kontext erschlossen werden. Das Lippenlesen wird von den Gehörlosen als sehr anstrengend empfunden. 

Besonders eklatant werden die Schwierigkeiten der Kommunikation bei der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen. Missverständnisse, Informationsdefizite und nicht zuletzt deutliche Verunsicherungen der gehörlosen Patienten sind die Folge der erschwerten Kommunikation zwischen Arzt oder Pflegepersonal und Patient. 

Medienkonzeption

Mit HELPING HANDS wird die Gebärdensprache nicht nur erlernt, sondern auch fachspezifisch und situativ angewandt. Das Toolkit bestehend aus Handbuch, Kommunikationskarten, Tafel und App mit ergänzenden Videos. Das Handbuch sensibilisiert für den Umgang mit gehörlosen Menschen und vermittelt medizinischem Fachpersonal die nötigen fachspezifischen Gebärden.

 

Motivation

Zielsetzung ist die Verbesserung der Situation für gehörlose Menschen in unserer Gesellschaft durch Kommunikationsdesign. Deshalb lautete die übergeordnete Frage: Wie kann die Situation, in welche gehörlose Menschen mit der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen geraten, durch Kommunikationsdesign verbessert werden? 

Im Rahmen einer Situationsanalyse wurden Interviews mit Krankenpflegepersonal und Rettungsdienst sowie Umfragen in einer Arztpraxis und Rettungsdienststelle geführt. 

Eine Gebärde für NAME

SAMIRA, KRANKENPFLEGERIN

Symbolkarten

Als Erweiterung befinden sich im Rücken des Handbuchs herausnehmbare Karten, welche Inhalte, die konkret am Patienten genutzt werden müssen, zusammenfassend darstellen. Sie sind aus hygienischen Gründen mit wasserabweisender Oberfläche und desinfizierbar. Mit Hilfe des mitgelieferten Markers können auf den Karten Eintragungen vorgenommen werden, die nach der Behandlung wieder abwischbar sind.

Eine Gebärde
für INFUSION

SIMONE, RETTUNGSSANITÄTERIN

Die Nähe zur Praxis

Das Handbuch soll dem Fachpersonal einen einfachen Einstieg ermöglichen und Unsicherheit abbauen. Die Symbolkarten, welche direkt im Klinikbereich eingesetzt werden, sind desinfizierbar und entsprechen den genormten Schmerzskalen. Die Inhalte sind in ihrer Komplexität angepasst und kurz und prägnant formuliert.

HELPING HANDS als App

Als Erweiterung zum Handbuch sind alle wichtigen Gebärden auch als Video in einer App abgebildet. So lassen sich die wichtigen Bewegungsabläufe und die Mimik ideal nachvollziehen.
Damit jeder Nutzer den Videos gut folgen kann, lässt sich die Geschwindigkeit individuell einstellen.

Darstellung der Gebärden

Die Fotografien der Gebärden im Buch sind durch verschiedene Pfeile, welche die Bewegungsrichtung zeigen, ergänzt. Die Leserinnen und Leser werden von der Gebärdensprachdozentin Kerstin begleitet. Sie zeigt anschaulich alle Gebärden im Handbuch und in der App. Kerstin ist selbst gehörlos und leitet die mobile Gebärdensprachschule „AllerHand!“ in Augsburg.

KERSTIN, DOZENTIN FÜR GEBÄRDENSPRACHE

Kommunikationstafel

Kommunikation funktioniert nur, wenn sie zweiseitig ist. Deshalb muss eine bidirektionale Kommunikation hergestellt werden können.

Im Buchrücken des Handbuchs befindet sich eine Kommunikationstafel. Mittels dieser und des Markers kann mit dem Patienten, wie in einem Chat, schnell und einfach kommuniziert werden. Dabei wird abwechselnd auf die Tafel geschrieben. Angedacht ist, dass die Tafel zum Beispiel während des Aufenthalts im Krankenhaus bei den Patienten bleibt, damit diese Fragen für die nächste Visite notieren können.

HELPING HANDS erscheint im Krapp & Gutknecht Verlag voraussichtlich im Januar 2020. Das Handbuch mit 10 Kommunikationskarten, Marker, Schreibtafel und App-Erweiterung kann bereits hier vorbestellt werden und wird nach Erscheinen automatisch versendet:

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